Freundschaften halten


Freundschaft / Freitag, November 17th, 2017

Grafik: Freundschaften halten

Ich stolperte letztens über den Namen Adrian. 10 Sekunden lang passierte gar nichts, dann plötzlich holte mich eine Erinnerung ein. Von stundenlangen Gesprächen in der Stadt, Einkäufen, Abenden im Wohnheim hinterm Bahnhof.

Etwa 1-2 Jahre lang war Adrian ein guter Freund von mir. Ja, einfach ein guter Freund. Wir trafen uns immer montags auf einen Kaffee oder machten zusammen Erledigungen. Wir lachten, quatschten und hatten eine gute Zeit. Irgendwann hörten wir damit auf, sodass ich jetzt seit bestimmt 5 Jahren nicht an ihn gedacht habe. Warum, frage ich mich jetzt.

War es keine gute Zeit? Doch, eigentlich schon. Und warum dann das Ende? Es gab keinen Streit, keine Vorwürfe, einfach Funkstille und wir haben beide vergessen dass es uns gibt. Und ist das jetzt schlimm?

Die sozialen Medien machen es zwar leichter für uns, Kontakte zu halten aber, so sehr ich es mir auch wünsche, der Tag hat nun mal leider keine 36 Stunden. Irgendwo müssen wir ja einen Schlussstrich ziehen und entscheiden, wem wir um Mitternacht vor dem Schlafen noch antworten und wem nicht.

Wir können nicht alle Bekanntschaften, die wir während unseres Lebens machen, weiter verfolgen. Sein wir doch ehrlich: ein freier Abend in der Woche ohne Einkaufen, Sport oder Überstunden und statt dass man telefoniert oder sich verabredet sitzt man auf der Couch und binge-watcht die neue Staffel Stranger Things. Man braucht ja auch mal Zeit für sich, Zeit für Hobbies, Zeit für den Partner.

Also muss man sich extra Zeit freiräumen, um zu telefonieren. Es sich vornehmen. Wie viele Stunden kann man sich da pro Woche freimachen? Mit wie vielen Freunden kann man sich da wöchentlich austauschen?

Wenn, so wie bei mir, viele Freunde in anderen Städten wohnen, muss man sich für ein Telefonat schon richtig Zeit nehmen. Das schaffe ich unter der Woche vielleicht einmal, wenn ich am Wochenende zuhause bin vielleicht auch zweimal.

Dazu kommen die Freunde, die ich in Leipzig treffe. Dann muss ich auch noch ab und zu meine Mutter anrufen, damit sie weiß, dass ich noch lebe. Das macht Pi mal Daumen 8-10 mögliche Kontaktaufnahmen pro Monat.

Da muss man also schon selektieren, für wen man sich die Zeit nimmt. Also gehen wir mal ins Detail:

Um welche Freundschaften sollten wir uns wirklich bemühen?

  • die, die uns ähnlich sind und mit denen wir ebenso über das Taylor Swift Album sprechen können wie über den neuesten Walter Moers Roman
  • solche, mit denen wir mind. eine Nacht durchgequatscht haben
  • Freunde aus der schönsten Zeit deines Lebens, um das positive Gefühl ab und an aufwallen zu lassen
  • Menschen, die einen inspirieren und die einen Lebensweg eingeschlagen haben, den wir uns auch gern wünschen oder anstreben
  • die bewundernswerten Geschöpfe, die sich regelmäßig Zeit nehmen um sich aktiv bei UNS zu melden – wir sollten es Ihnen mal zurück geben
  • solche, mit denen man harte Zeiten durchgestanden hat

Aber Achtung: nicht alle, die dich ein Leben lang begleitet haben, sind auch gut für dich. Zum Thema Freundschaften beenden findest du hier demnächst einen Post auf meinem Blog.

Nun zur Frage, an der sich die Geister scheiden und woran einige zerbrechen:

Wie oft reicht es sich zu melden?

Mein Freund telefoniert zweimal im Jahr mit seinem besten Freund, meistens direkt bevor sie sich gegenseitig besuchen. Effektiv sprechen sie also nur etwa alles halbe Jahr miteinander und sind dennoch ein Herz und eine Seele. Klar, bei Frauen ist das anders aber ich denke es gibt einfach unterschiedliche Arten von Freundschaften und diese brauchen unterschiedliche Frequenzen der Kontaktaufnahme.

Wichtig ist, dass beide dasselbe erwarten. Dass keiner von beiden dem Anderen Vorwürfe macht. Am besten spricht man offen miteinander darüber, was man sich von dem anderen wünscht und wie oft melden für einen in Ordnung ist.

Ich selbst habe Freunde mit denen ich täglich Kontakt habe ebenso wie welche, von denen ich alle 2 Monate höre, gleichermaßen gern. Wir haben nur andere Rhythmen und das ist ok so.

Wie machen wir uns Zeit für Freunde frei?

In diesem Post habe ich ein Loblied auf das Alleinsein gesungen. Dass man allerdings soziale Kontakte zum Leben braucht, ist ganz klar. Mit diesen Ideen kann man sich für Freundschaften Zeit nehmen auch wenn man durch Familie, Arbeit, Hobbys und andere Verpflichtungen zeitlich ziemlich eingebunden ist:

  • kleine Momente nutzen – du wartest auf die Straßenbahn? Schick doch eine Sprachnachricht an eine Freundin und erzähle ihr wie dein Tag war
  • Multitasking – Telefonieren im Auto ist für mich die ultimative Win-Win Situation. Die Zeit vergeht für dich schneller und du hast sie gut genutzt 🙂 (Achtung: natürlich nur mit Freisprecheinrichtung!)
  • Regelmäßigkeit – desto länger man sich nicht meldet, desto mehr hat man sich dann zu erzählen und desto mehr Zeit muss man sich nehmen, desto mehr schiebt man es vor sich her —> ein Teufelskreis! Also lieber öfter kürzer als seltener und länger
  • Erinnerung – du bist vergesslich oder soziale Kontakte stehen einfach ganz unten auf deiner To Do Liste? Das macht nichts. Stell dir notfalls eine Erinnerung im Handy ein oder schreibe es jede Woche wieder in deinen Planer, irgendwann klappt es schon
  • Gewohnheiten entwickeln – wenn du dir jeden Sonntagnachmittag für Telefonate frei lässt, kommst du gar nicht mehr auf die Idee, dir in der Zeit irgendetwas anderes vorzunehmen und hast so zumindest eine feste Zeit pro Woche
  • Listen führen – das klingt komisch, man sollte ja alle seine Freunde im Kopf behalten. Dennoch verlieren wir manchmal den Überblick, bei wem wir uns am längsten nicht gemeldet haben oder wie lange es konkret her ist. Eine Liste zu führen kann deshalb für dich also durchaus sinnvoll sein.

Ich facetime gern beim Autofahren oder beim Kochen, da muss ich mich ohnehin nicht so sehr konzentrieren und für den anderen ist es noch ganz unterhaltsam.

Mit meinen Freunden in Leipzig habe ich meistens spezielle Tage, die wir dann immer zusammen verbringen, z.B. montags zum Sport / am 2. Sonntag im Monat zum Flohmarkt / freitags nach Gehaltszahlung zum Essen etc.

Vor dem Schlafengehen scrolle ich regelmäßig durch meine WhatsApp Unterhaltungen, schaue welche am längsten zurück liegt und tippe eine kurze Nachricht. Facebook benutze ich persönlich nicht mehr für die Kontaktaufnahme mit Freunden, dafür nutze ich jetzt lieber private Kanäle.

Am schönsten finde ich es dann, wenn man sich über ganz alltägliche Dinge unterhält oder sich zusammen nur Schwachsinn ausdenkt. Oder wenn man mit jemandem spricht, bei dem Änderungen anstehen und mit dem man über Wünsche, Ziele und Hoffnungen austauschen kann.

 

Jede Freundschaft ist einzigartig und bedarf deshalb unterschiedlicher Pflege. Ich denke wir sind uns alle einig, dass das Leben ohne Freunde viel fader wäre und es daher viele Kontakte wert sind, sich extra darum zu bemühen.

Wie haltet ihr eure Freundschaften? Habt ihr noch Tipps für mich?
Oder was denkt ihr darüber, wie oft man sich melden sollte?
Schreibt mir gern in den Kommentaren, was Freundschaft für euch bedeutet.

Liebste Grüße
Laura

Grafik: Welche Freundschaften sind es wert, sich um die zu bemühen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.