Tipps für deinen Neustart in einer neuen Stadt


Leben / Freitag, Dezember 8th, 2017

Tipps für den Neustart in einer neuen Stadt

Ob für den Traumjob, das Studium, den Freund oder einfach für einen Tapetenwechsel: Umzüge sind  kräftezehrend und die Umgewöhnung an eine neue Umgebung immer schwer. Dieser Artikel soll dir den Neustart erleichtern.

In den letzten 8 Jahren habe ich in 6 verschiedenen Städten gelebt und bin etwa 9 mal umgezogen. Ich weiß also wovon ich rede, wenn ich sage: Ja, es ist hart. Jeder Neuanfang erfordert Überwindung, Eigeninitiative, Neugier und das Verlassen der eigenen Komfortzone.

Was man damit aber erreichen kann, ist überwältigend. Nicht nur das Bewusstsein, dass man alles überall schaffen kann, sondern auch das tolle Gefühl, wenn man eine Stadt lieben lernt, sich langsam heimisch fühlt und ankommt.

Meine Erfahrungen aus Neuanfängen im In- und Ausland möchte ich hier mit dir teilen, damit dir der Neustart möglichst entspannt gelingt 🙂

Eine neue Stadt lieben lernen

Das wichtigste ist zunächst, dass du einen Draht zu dem Ort oder dem Land findest, in dem du jetzt auf (un)bestimmte Zeit wohnen wirst.

Ich habe Leute getroffen, die sich während der Studienzeit in unserem kleinen Ort nie wohl gefühlt haben. Von diesem Menschen haben einige das Studium abgebrochen oder nur mit Ach und Krach abgeschlossen. Wenn du dich nicht Zuhause fühlst und negativ gegenüber deiner Umgebung eingestellt bist, wird sich das auch auf dein Leben auswirken. Das wollen wir nicht – also: Sei offen und mache dich darauf gefasst, dich zu verlieben!

Stadterkundung mit dem Rad oder der Bahn

Mit dem Fahrrad kann man meiner Meinung nach am besten eine neue Stadt erkunden. Sollte nun gerade Winter sein, tun es auch die öffentlichen Verkehrsmittel. Das hat sogar noch den Vorteil, dass du gleich wichtige Plätze und Straßen lernst.

Allerdings würde ich dir empfehlen, nicht immer bis zu den Endhaltestellen zu fahren. Das habe ich am Anfang gemacht, wenn ich eine Stadt kennen lernen wollte: mit jeder Linie einmal von einer Endhaltestelle zur nächsten fahren. Allerdings sind die Außenbezirke in fast keiner Stadt wirklich schön, spare dir den Frust lieber und konzentriere dich zunächst auf einen Radius von 10 Haltestellen rund um die Innenstadt.

Lass dich treiben

Bei deinen ersten Stadterkundungen solltest du lieber nicht auf eine Karte oder dein Handy gucken, sondern einfach langfahren, wo es dir gerade gefällt. Das macht gerade den Reiz des Erkunden aus!

So habe ich beispielsweise auch das kleine Café gefunden, in dem ich gerade sitze und diesen Beitrag schreibe. Ich fuhr und fuhr mit dem Rad und dort wo es nett aussah, blieb ich. Diese kleine Stube ist nun mein Lieblingsort und ich komme immer gern wieder und erinnere mich an meine erste Stadterkundung vor zwei Jahren. Mittlerweile wohne ich sogar direkt eine Straße weiter – ob das nun Zufall ist oder nicht 😉

Ein Tipp gebe ich dir dazu aber noch: Wenn du etwas gut findest (sei es ein Laden, eine Straße oder ein Park) notiere dir den Namen in einem kleinen Notizheft oder (meinetwegen) im Handy. Ich bin einmal bei einer Erkundungstour in Leipzig auf einem Möbelflohmarkt gelandet, mit super schönen Vintage Möbeln und Kunsthandwerk. Allerdings wusste ich damals weder, wo ich genau war, noch in welchem Stadtteil überhaupt, weshalb ich ihn bisher nicht wiedergefunden habe. Das ist schade und für’s nächste Mal weiß ich es besser aber ohne meine erste Erkundung, hätte ich ih vermutlich überhaupt niemals besucht.

Finde deine Verbindung zur Stadt

Was ist es, das du an deiner Heimat liebst? Denk darüber nach und versuche, auch in deinem neuen Zuhause diese Ecken und Gefühle zu finden. Das macht es dir leichter, dich heimisch zu fühlen.

Bei mir ist das offensichtlich das Meer bzw. Wasser im Allgemeinen. In Rostock, Stralsund, Bremen und Hamburg hatte ich immer entweder die Ostsee, Weser, Alster oder Elbe um mich. In Leipzig musste ich deshalb also ebenfalls Wasser finden und die Orte, an denen ich mich fühlen konnte wie Zuhause.

Am Richard-Wagner-Hain und an den kleinen Kanälen, mit denen der westliche Teil der Stadt durchzogen ist, habe ich die Stadt lieben gelernt und meine Verbindung zu ihr gespürt.

Elsterflutbett Leipzig
Elsterflutbett

 

Bild von einem Fluss in der Stadt
Weiße Elster

Lerne etwas über die Stadt

Du hast deine eigenen Erkundungen abgeschlossen, kannst dich ungefähr orientieren und weißt wo du was findest – super! Dann lernen wir jetzt etwas über deinen neuen Ort.

Ja, das klingt zunächst langweilig, touristisch und anstrengend. Aber du wirst hier leben, da solltest du schon etwas über die Geschichte und die Kultur der Stadt wissen! Ein Neustart erfordert etwas Einsatz am Anfang aber es wird sich mehr als auszahlen, glaub mir 🙂

Zumal dich deine Freunde und Familie besuchen werden und dir bestimmt viele Fragen stellen. Um diese zum Erstaunen aller Angehöriger beantworten zu können, würde ich erstmal eine Stadtführung empfehlen. Nein, das ist nicht langweilig und da bist du auch nicht nur unter Rentnern. Der Sinn einer Stadtführung ist ja, die Touristen zu unterhalten also was ist verkehrt daran? Lass dich begeistern!

Vielleicht (also hoffentlich) findest du Berührungspunkte, die dich wieder etwas mehr mit dem Fleckchen Erde verbinden, das du jetzt dein Zuhause nennen wirst. Das könnte beispielsweise eine inspirierende Persönlichkeit sein, die dort gelebt und geschaffen hat oder eine Legende wie aus einem Märchen, das dir deine Eltern früher vorgelesen haben.

Wir lernen Leute kennen, jej!

Also die Stadt finden wir soweit schon mal ganz gut. Klasse. Dann müssen wir nur noch etwas mit unserer Freizeit anfangen, außer in schönen Alleen und an Flussufern entlang zu streunen.

Niemand kann ohne soziale Kontakte leben, das ist klar. Erst diese machen einen Neustart wirklich zum Erfolg. Ein Netzwerk von verschiedenen Quellen aufzubauen ist dabei unser nächstes Ziel. Wenn ein Eckpfeiler wegbringt (z.B. Arbeit) wollen wir in der neuen Stadt ja nicht wieder von vorn anfangen müssen und uns möglicherweise unwohl fühlen.

Also wie lernt man am besten neue Menschen kennen? Optimalerweise Einheimische, die einem die Stadt nochmal anders zeigen können und selbst große Freundeskreise haben. Hier ein paar Vorschläge dafür, wie man Leute außerhalb von Arbeit/Uni kennen lernen kann…

Engagiere dich ehrenamtlich

Ob in einem Jugendclub, einer Bürgerinitiative oder in der Gemeinde: bring dich ein! Bei ehrenamtlichen Tätigkeiten triffst du viele Menschen, die deine Interessen oder Einstellungen teilen.

Dabei gibt es so viele verschiedene Betätigungsfelder, je nach deinen Qualifikationen und Einstellungen. Du kannst beispielsweise:

  • im Jugendsportbereich tätig werden, wo häufig Betreuer und Trainer gesucht werden
  • auf der Kinderstation im Krankenhaus vorlesen
  • als Freizeitbetreuer Jugendlichen bei Hausaufgaben helfen oder ins Sommercamp mitfahren
  • im Tierheim helfen, verwundete oder verwahrloste Tiere aufzupeppeln
  • als Patin einen Geflüchteten / eine Flüchtlingsfamilie unterstützen
  • ein Straßenfest in der Nachbarschaft organisieren

uvm.

Finde Gruppen entsprechend deiner Interessen

Es gibt in jeder Stadt mindestens einen Buchclub, den du über Google schnell findest. Wenn du lieber ins Theater gehst, gibt es auch hier Möglichkeiten, dich in Gruppen einzuschreiben und neue Leute kennen zu lernen. Für Kochinteressierte gibt es Eventveranstaltungen wie die von Cookasa (LINK EINFÜGEN). Es gibt wirklich einfach wahnsinnig viel – man muss es nur finden.

Zu Beginn eines jeden Neustarts bin ich zunächst immer mal in die Facebook Gruppe „Neu in XY“ eingetreten. Diese gibt es wirklich für jeden Ort und auch die kleinste Provinz. Als ich in Leipzig ankam, habe ich dort in der Gruppe eine Reihe von Konzerten gepostet, zu denen ich demnächst gern gehen würde und gefragt, wer vielleicht mitkommen wollen würde.

Mit den drei Menschen, die sich dort als Erstes gemeldet haben, gehe ich immer noch regelmäßig und gern zu musikalischen Veranstaltungen. Mit einer Frau in meinem Alter hat sich daraus sogar eine richtig innige Freundschaft entwickelt.

Sprachtandems sind auch eine tolle Möglichkeit, jemanden kennen zu lernen und gleichzeitig daraus etwas mitzunehmen. Auf tandempartners.org findest du vielleicht jemanden in deiner Nähe, der dir eine Sprache beibringen kann, die du schon immer lernen wolltest!

Wenn du ein besonderes Hobby hast und nicht ad hoc etwas im Internet dazu findest, kannst du in sozialen Medien oder (oldschool) an einer Straßenlaterne/ am schwarzen Brett eines Supermarkt einen Aushang machen wie:

SUCHE JONGLEURE FÜR EINE ARTISTENGRUPPE

Du wirst dich wundern, wie viele Andere es vermutlich noch gibt, die genau auf dich gewartet haben.

Sport als besonderer Schnittpunkt

Regelmäßige, sportliche Aktivität ist gesund, wird von der WHO empfohlen und kann jetzt auch bei deinem Neustart helfen.

Wenn du dir eine Teamsportart wie Volleyball aussuchst, ist es ja klar, wie du dadurch Leute kennen lernst. Aber auch wenn du eher Einzelsportarten liebst, musst du nicht allein bleiben, sondern kannst das als Möglichkeit nutzen, neue Menschen mit ähnlichen Interessen kennen zu lernen.

An einen Yoga-Kurs kannst du (statt zuhause vor YouTube) am Anfang in einem Studio in deiner Nähe teilnehmen. Auch bei dem riesigen Angebot des Uni-Sports kann man sich häufig selbst als Nicht-Studierender anmelden. Wenn du gerne kletterst – geh in eine Boulderhalle gehen, wenn du gern tanzt – such dir eine Tanzgruppe, wenn du gern Kraftsport machst – tu das doch im Park. Es gibt verschiedenste Wege, mit anderen in Kontakt zu kommen, während du schwitzt (was etwas mehr Überwindung kostet – ich gebe es zu). Aber geteiltes Leid, ist halbes Leid 😉

Such dir Anker

Was ich mit dieser maritimen Metapher verdeutlichen will, muss ich vielleicht etwas erklären. Wie oben erwähnt, ist es gut, wenn man Bezugspunkte aus verschiedenen Lebensbereichen hat.

Nehmen wir also an, du verstehst dich mit einer Frau aus deinem Pilates-Kurs super, hast im Tierheim beim Waschen von Hunden einen Verbündeten gefunden oder eine ganze Busfahrt von der Arbeit nach Hause mit einer Kollegin nur durchgequatscht. Das sind drei verschiedene Quellen an Kontakten, die deine Anker sein können.

Ich bin kein Verfechter davon, sich mit allen gut verstehen zu müssen oder mit allen Kollegen / Kommilitonen privat auch etwas zu unternehmen. Nur weil du in einer neuen Stadt wohnst, heißt es ja nicht, dass du verzweifelt eine Feierabendbeschäftigung brauchst. Viel sinnvoller finde ich es, sich auf die zu beschränken, mit denen man genau auf einer Wellenlänge liegt und das zu entwickeln.

Optimalerweise kommt die oben genannte Pilates-Bekannte oder der Hunde-Dompteur aus der Stadt, in der du jetzt wohnst, und hat ein gutes Netzwerk, in das er/sie dich mit aufnehmen kann. Vielleicht lädt dich die Person zu einer Einweihungsfeier ein, ihr geht zusammen essen, feiern oder zum Flohmarkt, wo ihr wiederum Freunde des Anderen trefft. Von ganz allein entwickelt sich so ein Netzwerk an Menschen, die du in einer neuen Stadt kennst.

Und wenn du auf der Straße das erste Mal von jemandem angesprochen wirst, den du kennst, wirst du ein ziemliches Glücksgefühl verspüren, weil dir klar wird, dass du dich GANZ ALLEIN (!) in der neuen Stadt etabliert hast.

Besonderheiten & weitere Tipps

Ein paar mehr Anmerkungen möchte ich dir noch kurz mit auf den Weg geben…

Wenn du allein umziehst…

… würde ich dir immer empfehlen, zuerst in einer WG zu wohnen! Möglichst groß, d.h. ab 4 Personen im Haushalt.

In Hamburg wäre mein Neuanfang um ein Vielfaches schwerer gewesen, hätte ich nicht mit diesen 5 bezaubernden Menschen zusammen gewohnt, die dann auch wiederum 5 bezaubernde Menschen kannten, zu uns eingeladen haben und und und – kurzum, es war eine wahnsinnig schöne Zeit und einen großen Anteil daran haben die Menschen ausgemacht, die ich dort getroffen habe.

Wer kein WG-Mensch ist und allein den Neuanfang in einer neuen Stadt wagt: Achte bei der Wohnungssuche vielleicht darauf (oder frage bei der Besichtigung explizit danach!), wie die Hausgemeinschaft ist und ob man öfter mal gemeinsam etwas organisiert. So schön sind die Sommerabende, wo alle Nachbaren im gemeinsamen Innenhof zusammen grillen. Lass dir das nicht entgehen 🙂

Wenn du mit jemandem zusammen umziehst…

… ist es wichtig, sich nicht zu isolieren. Auch wenn das verlockend ist. Wenn du mit deinem Partner oder einer Freundin zusammen in eine neue Stadt ziehst, ist es verführerisch, sich zunächst nur mit einander zu beschäftigen und nie etwas allein zu unternehmen. Zusammen gegen des Rest der Welt ist aber leider das falsche Motto.

Ich bin allein umgezogen, ich bin mit EINEM Freund umgezogen, ich bin mit MEINEM Freund umgezogen – und habe dabei alle Fehler schon gemacht. Also bitte glaubt mir, wenn ich sage: kümmert euch um separate Netzwerke.

Solle es mit der Beziehung oder Freundschaft aus irgendwelchen Gründen nicht klappen (auch wenn man am Anfang nicht davon ausgeht), man sich beruflich aber etwas aufgebaut hat oder mitten im Studium steckt, steht man sonst allein im Wald.

Das möchte ich euch ersparen also hoffentlich konntet ihr aus den oben genannten Tipps etwas für euren nächsten Neuanfang mitnehmen. Jede Stadt hat das Potential dazu, dein Zuhause zu werden also nur Mut – wage den Sprung ins kalte Wasser!

Es ist einfach so schön, sich in verschiedenen Städten heimisch zu fühlen. Überall Freunde zu haben, die man dann wieder besuchen kann. Und manchmal habe ich Tagträume, wie ich in 20 Jahren mit meiner Familie durch Deutschland fahre, unsere alten Wohnungen besuche und meine Kinder sagen „Mensch Mama, du hast wirklich überall schon gewohnt“. Ich würde dann sagen: „Nein, ich habe mich überall schon Zuhause gefühlt.“

Ich hoffe, ich konnte euch damit etwas helfen. Wenn ihr weitere Tipps haben möchtet, beispielsweise zur Wohnungssuche oder einem anderen Thema … schreibt es mir gern in die Kommentare.

Ansonsten wünsche ich euch einen guten Neustart und alles Liebe.
Eure Laura

 

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