Über den Umgang mit Geld


Leben / Sonntag, November 19th, 2017

Grafik: Über den Umgang mit Geld und was ich aus einer 30-Tage No Spending Challenge gelernt habe

Jedes Neujahr nehme ich mir vor: Du wirst in Zukunft Geld sparen. Das hat mal mehr mal weniger gut funktioniert. Häufig habe ich schon Ausgabetagebücher angefangen, einige Apps ausprobiert (u.a. Haushaltsbuch, MoneyControl, Daily Budget, Expenses) und auch teilweise erstaunlich lange durchgehalten.

Allerdings ohne den Effekt, dass ich deshalb weniger ausgegeben hätte. Klar, wenn man am Ende des Monats liest, dass man in den letzten Wochen insgesamt 6 Mal bei dm war und jedes Mal „nur ein paar Kleinigkeiten“ mitnehmen wollte und die Summe einem den blanken Horror in die Augen treibt… Ja, das ist hilfreich. Aber es hat mich irgendwie dennoch nicht davon abgehalten, dass ich deshalb nicht mehr 6mal zu dm gehe.

Respekt, wenn du mehr Disziplin hast als ich aber so ist es bei mir nun mal.
Ich fragte mich, wie viel Überwindung es mich kostet, kein Geld mehr auszugeben. Und wie viel dann am Ende des Monats wirklich übrig bleibt.

Ich bin über einen Blogbeitrag von Living Well Spending Less (Link) gestolpert und sofort entschieden, es  auszuprobieren.

Meine selbst auferlegten Regeln:

  • nur Lebensmittel sind erlaubt
  • nur notwendige Dinge (Toilettenpapier etc.)
  • nicht essen gehen, kein Lieferdienst, kein FastFood

Meine Erwartungen:

Ich glaube nicht, dass es mir sehr schwer fallen wird. Ich habe schließlich alles, was ich wirklich brauche. Und eigentlich auch viel mehr.  Es ist schließlich auch nur ein Monat.

Das Geld, das vermutlich übrig bleiben wird, kann ich für meinen kommenden Urlaub gut gebrauchen. Mindestens brauche ich 250€, also ich hoffe das bleibt am Ende des Monats mindestens übrig. Sonst nehme ich mir vor, die Challenge noch einen Monat weiter zu führen. Aber wir warten erst einmal ab.

Die Challenge:

Woche 1

Ich habe mir die perfekte Woche für den Start meines Experiments ausgesucht. NICHT. Den Entschluss habe ich von heute auf morgen getroffen, einerseits aus finanziellen Gründen und andererseits aus Interesse, was das mit mir macht und in wie weit mich der Kapitalismus in Griff hat.

Also gleich in meiner ersten Woche trifft es mich mit voller Wucht: Ich erfahre, dass am 31.08. der Sephora in Hamburg eröffnet und meine Freunde aus Hamburg würden mich direkt an dem Wochenende danach besuchen.

Normalerweise hätte ich 10 Stunden YouTube und Blogs konsultiert, eine Einkaufsliste geschrieben und daraufhin in Make-Up gebadet. Aber wisst ihr was: Überraschende Erkenntnis – Ich habe schon alles, was man sich nur ins Gesicht schmieren kann und niemand würde es merken, ob ich meine altbewährte Catrice Foundation verwende oder eine von Marc Jacobs.

Als meine Freundinnen also zu Besuch waren, haben wir zusammen gesessen, uns geschminkt, Haare gemacht und alles, was man auf einem 8. Geburtstag auch macht. Wer dabei was benutzt hat und welche Marken das waren, war natürlich vollkommen unwichtig weil wir einfach zusammen waren.

Ich denke sogar, dass ich danach ein schlechtes Gewissen gehabt hätte. Darauf bin ich ziemlich gespannt: wie sich mein Gewissen im Laufe der Zeit verändert.

Woche 2

Meine Chefin bat mich, Geburtstagskarten für die Arbeit zu besorgen, da sie es nicht schaffte. Eine Kollegin schlug vor, dass wir zu T€DI fahren. Das zählt nicht als Einkauf wenn es für die Arbeit ist, dachte ich – ich bekomme ja das Geld wieder. Und im T€DI gibt es ohnehin nur Krimskrams.

Nur, dass es nicht so einfach war wie gedacht. Wenn etwas so billig ist, fühlt es sich nicht an als würde man etwas Unsinniges kaufen und man reißt sich automatisch weniger zusammen.

Ich muss euch jetzt etwas gestehen: ganz ohne darüber nach zu denken, habe ich etwas für mich gekauft. Wenn ich euch jetzt zeige, wofür ich meine Vorsätze gebrochen habe, schüttelt ihr bestimmt voller Unverständnis mit dem Kopf. Zu recht. Aber es kostete nur 1,29€ !!

Mit welcher Selbstverständlichkeit und ohne Nachdenken ich etwas kaufe, macht mich dann aber doch stutzig. Ich vermute mal, dass ich häufiger so einkaufen gehe. Hier etwas Nettes gesehen, dort noch etwas Kleines mitnehmen. Da es mir nicht wirklich auffällt, besonders bei diesen kleinen Beträgen, vermute ich mich, dass es sich ganz schön summiert.

Ich bin gespannt, wie viel am Ende des Monats übrig bleibt.

Woche 3

Ich bin wirklich ein Schnorrer geworden. Am Wochenende waren wir in den letzten Wochen bei meinen Eltern, den Schwiegereltern oder Großeltern und haben uns dort versorgen lassen. Am Wochenende kochen wir sonst entweder was Besonderes oder gehen aus. Beides fiel jetzt für diesen Zeitraum aus.

Ja, das ist etwas gecheatet, ich gebe es zu. Aber ich wollte ja nur selbst kein Geld ausgeben und schauen, wie ich damit zurecht komme 😉

Jedenfalls hilft es mir dabei, am Wochenende nicht auszugehen. Unter der Woche lade ich meine Freundinnen auf einen Tee zu mir ein, statt uns in einer Bar zu treffen. Das ist ok und nett aber immer möchte ich das nicht machen müssen. Dafür bin ich noch zu jung.

Übrigens: Da Busfahren ebenfalls eine unnötige Ausgabe ist, fahre ich mit dem Fahrrad oder lasse mich von meiner Kollegin mitnehmen. Das ist umweltfreundlich und gut, da unser Parkplatz auf Arbeit ohnehin immer fast voll ist. Ich nehme mir vor, das bei zu behalten.

Aber es gibt ein großes Manko: auf dem Nachhauseweg komme ich immer an einer super süßen Boutique vorbei. Natürlich steht im Schaufenster ein riesiges Plakat mit dem Aufdruck „NEUE KOLLEKTION“ und die Kleiderstücke sind einfach nur bezaubernd. Ich versuche nicht hinzusehen aber etwas traurig bin ich schon…

Woche 4

Mein Computer ist kaputt. Mein Fahrrad ist kaputt. Meine Klamotten sind alle häßlich und ich habe keine Unterwäsche mehr im Schrank. So kommt es mir jedenfalls vor. Ich bin am Tiefpunkt.

Das klingt dramatisch aber so fühlte es sich auch an. Die GLAMOUR Shopping Week steht bevor, ES kommt ins Kino, meine Freundin feiert ihre Wohnungseinweihung mit anschließendem Ausgehen. Ich werde nichts davon richtig mitnehmen.

Zur Motivation schaue ich auf mein Konto. Es ist einerseits ein beruhigendes Gefühl zu sehen, wie viel noch übrig ist. Auf der anderen Seite packt mich das blanke Entsetzen, wie viel Geld ich sonst über den Monat so verpulvere.

Wenn ich jeden Monat so leben würde, wie viel hätte ich dann sparen können seit meinem Jobeinstieg? Ich könnte wahrscheinlich fast schon meine Bafög-Schulden tilgen.

Mein Fazit:

Insgesamt gespart: 500 €
Größte Posten:       keine „besonderen“ Lebensmittel, kein auswärts essen, keine Aktivitäten wie Kino,
                            kein Shopping (Kleidung / DM / Schreibwaren etc.)

Bei Lebensmitteln auf jeden Fall nicht mehr sparen. Nur das zu kaufen, was im Angebot ist und daraus etwas zu kochen ist zwar gut aber sonst… Wir haben uns fast nur noch von „billigem“ Essen ernährt, d.h. Reis, Nudeln, Brot etc. Gesund ist das auf Dauer auf jeden Fall nicht, deshalb werde ich hier in Zukunft sicher wieder mehr Geld einplanen müssen.

Das auswärts essen oder liefern lassen versuche ich aber etwas einzuschränken. Drinks sind ok aber vielleicht kann man ja vorher zuhause essen oderso… Da werde ich noch etwas experimentieren müssen.

Was den Kapitalismus und all die kleinen Dinge betrifft… Ich versuche mich jetzt vor jedem Kauf zu fragen: Brauche ich das wirklich? Wie oft werde ich es benutzen? Außerdem probiere ich erst einmal aus, einen Monat warten und noch nachzudenken, bevor ich etwas kaufe.

Nachtrag – Woche 5

Meine selbst auferlegte Challenge ist vorbei. Und ich muss euch jetzt mitteilen, was passiert ist und hoffe, dass ihr nicht über mich urteilt.

Ich war ein Wochenende in Hamburg bei meinen Freunden und war selbst im Sephora. Ja, ich habe dort Geld ausgegeben und nein, es war das schlechte Gewissen nicht wert.

Bei Hunkemöller hab es gerade eine 3-für-2 Aktion also habe ich auch dort großzügig eingekauft. Ebenso „brauchte“ ich eine wärmere Herbstjacke. Und hatte abends auf der Reeperbahn einige Drinks. Und einen überteuerten Hesburger.

Ehrlich, ich bin ausgerastet an diesem Wochenende. Zwar summieren sich die Ausgaben nicht auf die Höhe dessen, was ich im letzten Monat eingespart habe aber ich bin sehr traurig über meine eigene Inkonsequenz.

Für mich lautet die Moral von der Geschichte: Wenn man sich zu viel verwehrt, platzt es irgendwann aus einem heraus.

Wie Oma immer gesagt hat: In Maßen, nicht in Massen, mein Kind.

 

Hat von euch auch jemand das Selbstexperiment ausprobiert? Oder versucht ihr auch, etwas Geld zu sparen? Ich würde mich freuen, von euch und euren Erfahrungen zu hören.

Liebste Grüße,

Laura

 

2 Replies to “Über den Umgang mit Geld”

  1. Wenn du Lust hast, machen wir mal zusammen die 30Tage-30Klamotten-Challenge. (ausgenommen Unterwäsche und Socken!)
    Sicher ein weiterer Blick in welchem Überkonsum wir leben.

    1. Hallo Anna!
      Klingt interessant, wie stellst du es dir vor? Dass wir die gleiche Kleidung 30 Tage tragen oder einfach darauf zu achten, was man innerhalb von 30 Tagen überhaupt trägt (Prozentsatz seines Kleiderschranks)?
      LG

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