Wie und warum wir aufhören sollten, uns zu vergleichen


Leben & Lieben, Wachsen / Freitag, April 27th, 2018

Wir leben in einer Gesellschaft der Selbstdarstellung. Besonders Instagram, als hauptsächlich visuelles Medium, spielt uns die perfekte Version des Lebens, der Welt und der Menschen vor. Aber Vorsicht: Vergleich ist der Anfang von Unzufriedenheit.

Denn auf sozialen Netzwerken tun wir genau das, was uns nicht gut tut – wir vergleichen unser Leben mit dieser digitalen Wirklichkeit. Die Unzufriedenheit schleicht langsam in unser Unterbewusstsein, ohne dass wir es merken. Die Freundin schwimmt mit Schweinen in der Karibik, geht Snowboarden in Norwegen und wandert durch Vietnam. Wir fragen uns unwillkürlich: Bin ich auch so abenteuerlustig? Ist mein Leben auch so interessant?

Darauf gibt es natürlich keine richtige oder falsche Antwort. Das Empfinden, welcher Lebensstil besser ist, ist ganz subjektiv. Jeder Mensch hat andere Interessen und eine andere Definition von Glück. Die deiner Freunde muss also nicht zwangsläufig auch deine eigene sein.

Also los: Wir sollten alle aufhören, uns zu vergleichen. Stattdessen sollten wir unser Leben zu schätzen wissen, nach unseren eigenen Werten gestalten und anderen ihr Glück gönnen. Es ist auch eine wichtige Erkenntnis, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Nur weil uns die Perfektion gezeigt wird, heißt es nicht, dass sie der Realität entspricht.

Wir vergleichen verschiedenste Lebensbereiche mit Fremden auf Instagram oder unseren Freunden. Welche das sind, und welche Gedanken dir helfen, dich von der negativen Spirale zu lösen, liest du hier:

1. Liebesleben & Beziehungen

Die Autorin einer Erhebung über die Wahrnehmung von Instagram Paarposts und Verwendung von Liebeshashtags vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Uni Leipzig hat mir freundlicherweise erlaubt, ihre Ergebnisse mit dir zu teilen.

Unter anderem haben sie heraus gefunden, dass die Wahrnehmung von Pärchen-Fotos und Hashtags wie #instalove, #instacouple oder #couplegoals negativ bewertet werden. Und zwar sowohl von Menschen in einer Beziehung als auch von Singles.

Ich frage mich, warum das so ist. Sind wir neidisch? Gönnen wir den anderen ihr Glück nicht?

Tatsächlich ist es der Studie zufolge eher die Zurschaustellung der Liebe, die von den Probanden negativ bewertet wird. Insgesamt war die Wahrnehmung positiver, wenn die Posts authentisch oder nicht affektiert dargestellt sind.

Das finde ich insofern irgendwie schön, als dass es impliziert, dass wir den Menschen schon eine gute Beziehung gönnen – aber nur, wenn es die wahre Liebe ist. Wir sollten daher versuchen, noch einen Schritt weiter zu gehen und die Gestaltung einer Liebesbeziehung – ob affektiert oder authentisch – den beiden überlassen, die sie führen. Und wenn es nicht aufhört dich zu stören, kannst du immer noch auf „Unfollow“ klicken 😉

Wenn wir über das Vergleichen von Beziehungen sprechen, müssen wir natürlich auch das Thema Sex erwähnen. Falls das hier gerade ein Mann liest: JA, Frauen sprechen unter einander über ihr Sexleben. Detailliert.

So. Was aber wichtig ist, ist was dir deine Freunde NICHT erzählen. Und da gibt es große und kleine Probleme sowohl von Singles als auch von Pärchen, von denen du gar nichts weißt. Statt also nachts wach zu liegen und dich zu fragen, ob dein Sexleben im Vergleich zu dem deiner Freundin fade ist, schüttle die Gedanken ab und führe das Liebesleben, das dich (und ggf. deinen Partner) erfüllt.

Wenn deine Freunde Kinder bekommen und heiraten während du lieber auf Tinder unterwegs bist – egal! Gestalte dein Leben so, wie du es für richtig hälst uns höre auf, dich in Gedanken mit ihnen zu vergleichen. Insgeheim beneiden sie dich vielleicht auch.

2. Lebensstil & Hobbies

Wenn man sich manche Profile von Influencern anschaut, wird man vielleicht zunächst neidisch aber eigentlich können sie einem eher leid tun. Der ganze Freizeit-Stress! Die vielen Termine, Flüge, Events, Shootings – dabei immer piekfein herausgeputzt für die Kamera. Und erst der Jet-Lag, den man dir aber nicht ansehen darf!

Meins wäre das ja nicht. Also höre ich auch auf, mein eigenes Leben daneben zu legen. Denn auch wenn ich es mir gerne anschaue, wo auf der Welt manche Leute gerade wieder sind und was sie dort machen – mit ihnen tauschen möchte ich nicht.

Schließlich hat jeder die Möglichkeit, sein Leben so zu gestalten, wie er sich wünscht. Dafür haben das Internet und die Globalisierung gesorgt. Wenn du also den Lifestyle haben willst, den du auf Instagram bewunderst – ändere etwas. Alles, was du nämlich sonst tust, ist jammern und dich bemitleiden.

Versteh mich nicht falsch: Ich finde es gut, dass es auf sozialen Medien diese Jet-Set Influencer gibt. Wenn es dazu führt, dass mehr Leute raus gehen, um etwas zu erleben. Und zu reisen und dadurch etwas zu lernen. Aber es sollte nicht nur aus dem Grund sein, um durch ein Foto Anerkennung zu erfahren.

3. Lebensstandard & Geld

Eine Freundin hat immer die neuesten Beauty Produkte und scheint ständig nur zu shoppen, wenn man sich ihren Feed so anschaut? Das ist nur der eine Teil der Medaille. Wer weiß, wie es sonst aussieht, vielleicht ist bei ihr im Kühlschrank dafür nur Toast und Marmelade oder sie geht niemals aus, weil das Geld dafür nicht mehr reicht?

Vielleicht hilft dir der Gedanke dabei, mit deinem Leben glücklicher zu werden. Zu Beginn des Jahres hat Laura Malina Seiler dazu eine schöne Podcast Folge mit dem Titel „Drei Gedanken, die dein Leben 2018 transformieren werden“ gemacht. Hör hier gern mal rein

4. Körper & Geist

Zu den erfolgreichsten Influencern gehören Fitness-Models oder Sport-Gurus. Und auch wenn es vielleicht nicht so aussieht, sie es vielleicht nicht so oft zeigen oder darüber sprechen: Es ist super harte Arbeit und zeitaufwendig, so auszusehen!

Ich habe wirklich Respekt vor ihrer Leistung und ja, natürlich hätte ich auch gern so einen Körper. Aber ich bin dann ehrlich zu mir selbst und weiß, dass ich die Zeit lieber in etwas anderes investiere. Auch dass ich persönlich lieber jogge und Yoga mache, statt 2 Stunden am Tag ins Fitnessstudio zu gehen.

Also: so werde ich nie aussehen. Und ich habe es selbst entschieden. Von daher gibt es keinen Grund, neidisch zu sein oder dich selbst deshalb schlecht zu reden.

Du bewunderst stattdessen Charakterzüge oder Fähigkeiten anderer Menschen und fühlst dich in ihrer Gegenwart (digital oder analog) deshalb weniger wert? Erst einmal ist es dann an der Zeit, deine Selbstzweifel zu besiegen. Wie, liest du hier.

Hier sehe ich allerdings einen gravierenden Unterschied zwischen dem Vorhaben, sich jemanden zum Vorbild nehmen und sich mit anderen vergleichen und danach mit dem eigenen Leben unzufrieden zu sein.

Zunächst einmal, nimm dich so an, wie du bist. Was nicht heißt, dass du nicht an dir arbeiten kannst und solltest. Es kann dich sogar pushen, wenn du siehst, wie gut deine Kollegin in Excel ist und führt vielleicht dazu, dass du dich ebenfalls mehr mit der Materie beschäftigst. Oder Präsentationstechniken übst, weil der Chef so charismatische Ansprachen hält und du das Ziel hast, irgendwann auch eine gute Führungskraft zu werden.

Fakt ist: du bist nicht 24/7 bei den Kardashian-Wests zuhause

Soll heißen: du kannst nur vergleichen was du siehst. Und da du niemanden 24 Stunden am Tag begleitest, kannst du nicht wissen wie es wirklich ist und brauchst dementsprechend auch keine Rückschlüsse auf dein Leben zu ziehen.

Vielleicht lediglich insofern, dass du in dich hinein hörst, dich fragst, was dich eventuell unzufrieden macht oder Neid verursacht und du die Aspekte, die du bei anderen bewunderst, auch in dein Leben integrierst. Aber alles mit dem Ziel, selbst zufriedener zu sein. Eine andere Motivation sollte es nicht geben. Was ist größere Belohnung als absolute Glückseligkeit?

Das Problem von sozialen Medien ist leider, dass wir nur die positiven Aspekte teilen und dadurch nicht so viel Realität und Alltag auf Facebook & Instagram zu sehen ist.
Stefanie Giesinger hat vor Kurzem in ihren Instagram Stories veröffentlicht, wie sie im Krankenhaus liegt, statt zu zeigen, wie sie von einem sonnigen Ort zum nächsten reist oder mit ihrem Freund laut im Auto mitsingt. Auch Ashley Graham postet öffentlich öfter mal Bilder mit sichtbarer Cellulitis.
Für mehr Realität auf sozialen Netzwerken.

Dennoch ist die Bewegung für mehr Realität auf Instagram noch nicht besonders weit gekommen, wenn wir ehrlich sind. Ich bewundere gern die schönen Fotos aufgrund ihrer Ästhetik und der Mühe, die darin steckt, aber ich weiß, dass es nicht das Leben der Person widerspiegelt. Daher kann ich mich beruhigt zurück lehnen auf meiner Couch und mir die Fotos aus Bali angucken, ohne dabei irgendetwas anderes als Freude für den anderen zu empfinden.

Ich hoffe, du kannst das (jetzt) auch.

Liebste Grüße
Laura

 

 

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