Über finanzielle (Un-)Abhängigkeit von den Eltern


Familie, Wachsen / Samstag, April 21st, 2018

Finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern - ab wann sollten wir eigenständig sein und wie?

Ab wann müssen wir finanziell unabhängig sein? Ab wann ist das überhaupt möglich?

Ein großer Aspekt des Erwachsenseins ist für mich die finanzielle Unabhängigkeit. Mit 16 habe ich mein erstes Geld verdient, damit war ich natürlich noch lange nicht unabhängig von meinen Eltern. Aber ich habe mich erwachsener gefühlt, wenn ich mir von meinem selbst verdienten Geld etwas gekauft habe.

Früher habe ich gedacht, sobald ich fertig mit der Ausbildung bin und einen festen Job habe, bin ich finanziell eigenständig. Dann kann ich alles ganz allein bezahlen. Nach der Ausbildung kam aber erstmal das Studium. Dann einige Praktika und daraufhin zwar die erste Festanstellung aber mit enttäuschend geringer Bezahlung.

Durch die längere Ausbildungszeit sind wir immer länger auf Hilfe der Eltern angewiesen

Ein bisschen habe ich mich immer geschämt, dass ich so lange noch auf Finanzspritzen meiner Eltern angewiesen war, besonders wenn sie selbst nicht so viel hatten. Zwar bekam ich volles BAföG und musste daher nicht allzu sehr auf ihrer Tasche liegen aber das schlechte Gewissen kam mit jedem gemeinsamen Urlaub, jeder Unterstützung beim Umzug oder Zuschuss zum Geschenk für Oma.

Nach Abschluss des Erststudiums ist man damit heutzutage im Schnitt 24 Jahre alt. Dazu kommen Auslandsaufenthalte, Praktika und vielleicht ein Master-Studiengang. Kann man wirklich mit 27 nach dem Besuch bei Mutti noch etwas Fahrtgeld einstecken?

Schluss mit dem schlechten Gewissen

Vor einiger Zeit kam während eines Besuchs bei meiner Familie ans Licht: Meine Mutter und mein Vater wurden früher auch noch lange von ihren Eltern finanziell unterstützt. Irgendwie dachte ich vorher, das wäre eine Eigenart unserer Generation, dass man sich noch weit über die Schulzeit hinaus helfen lässt. Das dem nicht so ist, wurde mir jetzt klar und ich fing an, mein schlechtes Gewissen abzulegen und mir Gedanken über finanzielle Unabhängigkeit zu machen.

Das schlechte Gewissen wischen wir fort, indem wir uns sagen, dass wir ja später auch etwas zurück geben. Dass wir sie im Alter unterstützen, weil die gesetzliche Rente vermutlich nicht mehr ausreicht, um ihren Lebensstandard zu halten. Ich frage mich jedoch immer mehr, wie realistisch das wirklich ist.

Selbstverwirklung > Unabhängigkeit?

Mal angenommen, wir haben nicht das Glück, sofort unseren Traumjob zu finden und eine steile Karriere zu verfolgen. Viele entscheiden sich nach dem Erststudium oder sogar nach den ersten Jahren im Berufsleben dazu, etwas Neues zu studieren und einen anderen Weg einzuschlagen.

Doch nach den ersten festen Gehältern nochmal von den Eltern abhängig zu sein, scheint erst einmal unmöglich. Diese haben sich vielleicht in der Zwischenzeit ein Ferienhaus oder ein neues Hobby zugelegt, das sie durch die weggefallende Kindernothilfe finanzieren. Und wer könnte sie dann bitten, wieder selbst zurück zu treten?

Trotzdem sind die sogenannten „Boomerang Kids“ ein immer häufigeres Phänomen. Die Bezeichnung gilt für diejenigen, die im Erwachsenenalter wieder bei den Eltern einziehen – ob nach einer Trennung, für ein erneutes Studium oder bei kurzfristiger Arbeitslosigkeit.

Es gibt viele Wege dich weiterzubilden (einige Tipps findest du hier) aber nicht alle davon sind vergütet bzw. sind sogar kostenpflichtig, sodass wir zunehmend finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Kredite sind zwar so günstig wie nie aber man geht damit auch eine langfristig bindende Verpflichtung ein. Und die Zinsen! Die Unterstützung der Familie ist daher für viele eine bessere Alternative.

Fazit: Veränderter Generationenvertrag?

Vermutlich wird man sich auch bei vollem Gehalt nie finanziell frei von den Eltern fühlen. Unabhängig vielleicht schon aber nicht quitt. Stattdessen fühlen wir uns der Dankbarkeit verpflichtet, da sie uns das alles ermöglicht haben. Wird diese Last erst von uns abfallen, wenn wir sie im Alter unterstützen?

Realistisch betrachtet bekommen unsere Eltern noch eine gute Rente – verglichen mit dem, was wir in 40 Jahren vom Staat erhalten werden. Also sollten wir das, was wir nach ohnehin nicht leistungsgerechter Entlohnung noch übrig haben, nicht lieber in unsere eigene Altersvorsorge investieren? Oder wäre das egoistisch?

Wir müssen schließlich auch an unsere Kinder denken.

Ich denke zunehmend, dass der Generationenvertrag heutzutage anders funktioniert. Und zwar ist es wohl eher so, dass die ältere Generation immer für die jüngere sorgt. So wie unsere Eltern von ihren Eltern unterstützt wurden, geben wir alles für unsere Kinder her.

Und wir müssen uns damit abfinden, dass wir der Generation vor uns nicht das zurück geben können, was sie uns gegeben haben. Wir können es ihnen nur gleichtun und unseren Kindern eine sorgenfreie Zukunft und optimale Ausbildung ermöglichen, damit sie wiederum selbst gut für sich und ihre Nachkommen sorgen können.

Oder was denkst du? Ich freue mich über deinen Kommentar zu dem Thema, denn die Problematik beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Teile daher gern deine Anregungen und Meinungen mit mir!

Du hast noch nicht das Gefühl, erwachsen und finanziell unabhängig zu sein? Mach dir nichts draus, es ist ein langsamer Prozess. Aber der beginnt im Kopf. Wenn du deine Einstellung also ändern oder dein schlechtes Gewissen ablegen willst, schau gern die Tipps durch, die ich für dich zusammen gefasst habe…

Schritte zur finanziellen Unabhängigkeit:

  1. Eine Kostenübersicht bekommen
    Wie viel gibst du eigentlich aus und wofür? Das geht heutzutage ganz leiht durch Apps (z.B. Money Control, Budget, Mein Haushaltsbuch) oder klassisch mit Notizbuch und Auswertung in Excel
  2. Unwichtige Kosten reduzieren
    Was brauche ich eigentlich wirklich? Bestes Beispiel: das Auto – brauchst du in der Großstadt wirklich eins? Ich selbst habe meins verkauft, weil man in Hamburg mit den Öffentlichen oder Fahrrad ohnehin schneller von A nach B kommt…
  3. Eigene Versicherungen anschaffen & Alte aussortieren
    Alle Versicherungen, die deine Eltern für uns angeschafft haben, du aber nicht mehr bezahlen kannst oder willst, solltest du abmelden. Welche Versicherungen wirklich wichtig und nötig sind, liest du hier
  4. Leidenschaft finden & Geld mit deinem Hobby verdienen
    Du bist super im Designen und erstellst am liebsten Memes? Dann denk doch mal darüber nach, deine Grafiken zu Geld zu machen, z.B. bei Spreadshirt. Wenn du gern nähst, nimm vielleicht Aufträge von Freunden & Bekannten an oder fertige Stücke direkt zum Verkauf, z.B. bei Dawanda.
  5. Verkaufen, was du nicht brauchst
    Geht einher mit dem Punkt „Unwichtige Kosten reduzieren“ aber es heißt noch viel mehr: alles, was du nicht brauchst, kann weg! Du musst aber nicht alles wegschmeißen sondern kannst es ja bei Kleiderkreisel, Shpock oder Ebay Kleinanzeigen reinstellen. So ist deine saisonale Garderobe auch bezahlbar 😉
  6. Mehrere Einnahmequellen schaffen
    Der Trick von reichen Leuten: sie verlassen sich nicht auf eine Geldquelle sondern klauben ihren Honig aus verschiedenen Töpfen zusammen. Zusätzlich zu deinem Job könntest du also zum Beispiel dein Hobby zu Geld machen (s.o.), Hunde ausführen, Boxtraining anbieten oder was dir sonst noch so Spaß macht.

Und zum Schluss: nicht stressen lassen! Mich hat die Erkenntnis, dass wir alle auf die eine oder andere Art abhängig sind, erst recht spät ereilt und nun bin ich ziemlich froh, mich selbst nicht mehr so enorm unter Druck setzen zu müssen.

Ich entschuldige mich für die unregelmäßigen Blogbeiträge in letzter Zeit und versuche mich zu bessern!
Hoffentlich hat dir dieser Beitrag trotzdem gefallen und etwas weiter geholfen 🙂
Bis zum nächsten Mal!

Liebste Grüße
Laura

 

 

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