Erwachsen mit den Eltern in den Urlaub


Familie, Leben / Freitag, Februar 16th, 2018

Grafik, Urlaub mit den Eltern

Wir werden uns immer an die ersten Ferien erinnern, in denen wir allein zuhause bleiben durften, während die Eltern (und Geschwister) in den Urlaub fuhren. Man fühlte sich richtig erwachsen. Es war gleichermaßen aufregend und beängstigend, was wir natürlich nie zugegeben hätten.

Als wir dann auszogen, waren wir so stolz auf unsere erste eigene Wohnung oder WG – Hauptsache endlich raus aus der elterlichen Obhut, endlich selbstbestimmt leben.

Ein Rückschritt?

Als meine Mutter und ich im September merkten, dass wir zufällig gleichzeitig im Oktober Urlaub hatten und sonst niemand Zeit hatte, war der Entschluss eigentlich schon gefasst. Es war die naheliegendste Lösung aber mir kam es schon etwas unnormal vor. Warum, weiß ich nicht.

Ob ich ein Stück meiner Selbstbestimmheit aufgab, fragte ich mich letztes Jahr, als ich das erste Mal allein mit meiner Mutter in den Urlaub fahren wollte.

Wem auch immer ich davon erzählte – das Echo war immer rein positiv. Viele meiner Freunde oder Kollegen fahren häufiger mit einem oder beiden Elternteilen allein in den Urlaub. Niemand war da so skeptisch wie ich.

Oder Normalität?

Seitdem fällt es mir erst richtig auf: ein Freund geht immer mit seinen Eltern wandern, für mindestens eine Woche jedes Jahr. Eine Freundin macht mit ihrem Vater Überseereisen, weil die Mutter nicht so lang fliegen möchte.

Vielleicht war zuvor nur meine verschobene Wahrnehmung etwas verschoben. Oder war es mein ausgeprägter Wunsch nach Unabhängigkeit, der mich gar nicht auf die Idee kommen ließ, jemals wieder mit meinen Eltern zu verreisen? Ich muss wohl an meiner eigenen Einstellung arbeiten.

Neue Möglichkeiten

In meinen Augen verändert sich die Verbindung zu den Eltern sehr stark, wenn man selbst erwachsen ist. Ebenso der Umgang mit einander. Man begegnet sich eher auf Augenhöhe, scheut den Konflikt nicht so wie in Kindertagen und vertritt offen seine selbst gebildete Meinung.

Das kann zu Reibung führen. Aber auch zu einem ganz neuen Zugang zu einander. Ganz anderen Gesprächsthemen mit einer Tiefgründigkeit, die echte Nähe schafft. Ein Urlaub bietet dabei genügend Zeit und die angenehme Atmosphäre für ausführliche Gespräche. Im Gegensatz zu einem Wochenendbesuch, bei dem meist nur die Neuigkeiten ausgetauscht werden können.

Tipps für den Urlaub mit den Eltern

Ich kann vielleicht einmal eins vorweg nehmen: Der Urlaub mit meiner Mutter war sehr schön, aber auch strapaziös. Wie immer wahrscheinlich, wenn man mit jemandem längere Zeit auf engstem Raum verbringt, egal ob man nun mit einer Freundin, dem Partner oder Elternteil unterwegs ist. Nichts Ungewöhnliches also.

Dennoch gibt es ein paar Unterschiede im Gegensatz zum Verreisen mit anderen Ferienpartnern, auf die man bei dem nächsten Urlaub mit seinen Eltern achten sollte.

Vorteile:

  • Quality Time: Wenn wir sonst nur ein Wochenende oder an Weihnachten zu Besuch sind, können wir die Zeit gar nicht richtig genießen oder optimal nutzen. Im Urlaub haben wir die Ruhe und die Muße, uns wirklich mit einander zu beschäftigen.
  • Nähe aufbauen: Im Urlaub können Geschichten und Gefühle ausgetauscht werden, die bisher noch nicht geteilt wurden. Außerdem sammelt man gemeinsame Erinnerungen, die ein Leben lang anhalten.

Nachteile:

  • Unterschiedliche Gewohnheiten: Nachdem wir von Zuhause auszogen, haben wir unsere eigenen Marotten entwickelt, eigene Methoden den Alltag anzugehen und Tätigkeiten auszuführen. Und dann kommt jemand, der einem sagt, dass man es anders machen soll? Oder man selbst denkt sich – wieso machst du das so, wenn es anders viel besser geht? Besonders bei technischen Angelegenheiten ist der Generationsunterschied schon ziemlich spürbar. Das kann zu Spannungen führen – deshalb am besten in den Urlaubsmodus schalten und nichts zu kritisch sehen!
  • Zu viel des Guten: Das kann natürlich passieren, wenn man sich nach dem 3. Krug Sangria über die Jugendsünden unterhält. Ob das so gut ist, wenn die Eltern wissen, wo man wirklich als Jugendliche war, wenn man „bei einer Freundin geschlafen hat“? Manches sollte man vielleicht lieber für sich behalten.

Optimale Reisedauer:

  • nicht zu lang, damit man sich nicht auf die Nerven geht aber auch nicht zu kurz, damit man echte Nähe aufbauen kann
  • mindestens 3 Nächte, maximal 6

Perfekte Urlaubsziele:

  • aufgrund der Reisedauer eher in Kurz- und Mittelstreckenflug-Entfernung
  • Orte mit genügend Auswahl an Attraktionen und Erholungsmöglichkeiten
  • z.B. europäische Hauptstädte, Mittelmeer/Toskana, Alpen

Optimaler Tagesablauf:

  • eine Mischung aus Erholung und Kultur: so ist man entspannt genug, um die Marotten des anderen hinzunehmen aber durch Ausflüge wird einem nicht so langweilig, dass man genervt ist
  • wichtig: Rücksicht auf beide Reisepartner gleichermaßen nehmen bei der Auswahl von Unternehmungen

Wichtige Hinweise:

  • Das liebe Geld: vorher abklären, wie man es finanziell macht. Eure Eltern stehen vermutlich etwas besser im Leben und haben mehr Geld. Klärt vorher was ihr unternehmen wollt und wie ihr das finanziell regelt.
  • Alkohol: je nach dem wie gut du dich mit deinem Elternteil verstehst, würde ich auf den Alkoholkonsum achten. Es kann sein, dass sonst Dinge zutage kommen, die bisher nicht umsonst unausgesprochen blieben. Auf der anderen Seite kann es auch befreiend sein, wenn man offen über Blockaden und Gefühle sprechen kann.
  • Beschäftigung & Freiraum: Bücher, Zeitschriften oder was auch immer du gern in deiner Freizeit machst – nimm dir etwas für dich selbst mit und mach dir somit Zeit für dich frei. Es ist wichtig, auch im gemeinsamen Urlaub Freiraum für jeden einzelnen einzuräumen.

Erwachsen aber immer noch Kinder

Nachdem ich mir Gedanken darüber gemacht habe und auch selbst mit einem Elternteil im Urlaub war, sehe ich die Thematik nicht mehr so kritisch wie zuvor. Ich musste nichts von meiner Unabhängigkeit aufgeben, hatte genügend Freiraum und konnte dennoch die Bindung zu meiner Mutter stärken. Die Erlebnisse werden mir noch lange positiv in Erinnerung bleiben.

Von der Eltern-Perspektive aus gesehen, ist es doch sehr schön, wenn das Kind auch im Erwachsenenalter noch längere Zeit mit dir verbringen möchte. Schließlich werden wir immer ihre Kleinen sein und wir wollten uns ja auch nicht ganz aus ihrem Leben verabschieden.

Wenn ich eine Mutter bin, würde ich mir auch wünschen, dass ich meine Kinder nicht nur die 18 Jahre bis zur Volljährigkeit begleite sondern auch danach noch ein aktiver Teil ihres Lebens bin.

Mich interessiert, wie du es siehst. Ist Urlaub mit den Eltern ganz normal? Habe ich das ganze zu kritisch gesehen oder gibt es noch Aspekte, die ich gar nicht bedacht habe? Schreib mir auch gern von deinen Erfahrungen von Urlaub mit den Eltern.

 

Liebste Grüße
Laura

 

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Photo by Tim Gouw on Unsplash

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