Welche Versicherungen brauche ich?


Leben & Lieben / Freitag, März 23rd, 2018

Welche Versicherungen braucht man am Anfang seiner Karriere? Dieser Beitrag gibt einen guten Überblick über die Basics, optionalen und unnützen Versicherungen für junge Leute

Tja. Versicherungen sind so ein trockenes und erwachsenes Thema, das ich irgendwie immer versucht habe, zu verdrängen, um mich nicht so alt zu fühlen. Das ist nicht gut, ich weiß. Jetzt bekam ich dafür die Quittung und setzte mich erstmal mit Vorsorgemöglichkeiten auseinander. Damit du das nicht auch noch tun musst, soll dieser Artikel dir als Zusammenfassung dienen.

Es war das klassische Beispiel für Murphy’s Gesetz: An meinem Umzugstag habe ich einen Platten mit dem Auto, rufe an beim Pannenservice und bekomme gesagt meine Versicherung sei letztes Jahr abgelaufen. Das Auto voller Ladung, draußen Minusgrade und ich angezogen wie an einem Sonntag mit schlimmem Kater.

Offenbar hatte man mir mehrere Schreiben an eine alte Adresse geschickt und da ich nicht reagierte, wurde der Vertrag beendet. Ich kann ihnen keinen Vorwurf machen, ich hatte ihnen meine neue Anschrift vergessen mitzuteilen. Und dummerweise habe ich auch nicht gemerkt, dass ein zu zahlender Posten im Januar wegfiel.

Ich stehe also mit Jogginghose im Schnee am Straßenrand, warte auf den Abschleppdienst (der mich 200€ kosten wird) und denke über mein Leben und mein mangelhaftes Verantwortungsbewusstsein nach. Erwachsen sein heißt ja schließlich, alles auf die Kette zu bekommen. Oder?

Versicherungen, Finanzierungen, Investitionen… all das ist für mich einerseits ein Buch mit zumindest 6 Siegeln und andererseits das, was mich bei anderen immer beeindruckt, wenn sie wie selbstverständlich darüber sprechen.

Im Zuge dessen, dass ich ja immer versuche, Neues zu lernen und Wissenslücken zu schließen, beschäftigte ich mich also näher mit Versicherungen. Dabei geht es hauptsächlich darum zu wissen, was für Berufseinsteiger und junge Erwachsene wirklich notwendig ist und was nicht zum Erwachsen sein dazu gehört sondern nur Geld frisst.

Die Must-Haves

1. Krankenversicherung

Wenn man noch studiert, kann man bis zum 25. Lebensjahr familienversichert sein. Danach muss man sich aber selbst Gedanken machen, welche Krankenversicherung man wählt. Auch wenn die prozentualen Beitragssätze die gleichen sind, variieren die Leistungen teilweise schon sehr stark.

Denke also einmal darüber nach, was dir wichtig ist: Krebsvorsorgeuntersuchungen, finanzielle Boni für eine gesunde Lebensweise, alternative Heilmethoden? Was für deine Eltern bei der Wahl der Versicherung wichtig war, trifft nicht zwangsläufig auch auf deine Bedürfnisse zu. Über Vergleichsportale kannst du heutzutage mit geringem Zeitaufwand checken, welche Krankenversicherung am besten zu dir passt.

Und ich sage dir das, weil ich selbst damit am nachlässigsten bin: Ein Bonusheft zu pflegen, kann sich wirklich lohnen! Schade, dass einen jetzt nur niemand mehr daran erinnert, es zum Zahnarzt mitzunehmen…

Eine private Krankenversicherung kommt übrigens erst ab einem Jahresgehalt von 51.000€ infrage. Wenn du das als Berufsanfänger hast, Hut ab! Vergleiche aber genau die Preisentwicklung, häufig sind die Beiträge hier am Anfang niedrig und steigen dann drastisch an…

2. Privathaftpflicht

Die erste Versicherung, die du dir zulegen solltest, wenn du nichts weiter hast, ist eine private Haftpflichtversicherung (nicht zu verwechseln mit der Kfz-Haftpflicht!). Die Beiträge sind mit ca. 50€ pro Jahr und somit weniger als die Amazon Prime Mitgliedschaft ziemlich gering und dafür sind aber verschiedenste Szenarien finanziell abgesichert, von Personen- über Sach- und Vermögensschäden.

Achte bei dem Abschluss auf die Höhe der Selbstbeteiligung (so gering wie möglich) sonst kann es sich schnell schon nicht mehr lohnen. Außerdem gibt es bei manchen Versicherung eine sogenannte Forderungsausfalldeckung, das bedeutet, dass wenn jemand dein Eigentum zerstört und selbst nicht versichert ist, deine Privathaftpflichtversicherung dafür aufkommt.

3. KfZ Versicherung

Diese ist Pflicht für jeden Fahrzeughalter. Sobald ein Auto auf dich zugelassen wird, musst du eine eigene Versicherung abschließen. Für junge Leute sind die Beiträge allerdings sehr hoch, weshalb häufig die Eltern noch als Halter eingetragen sind und die Versicherung bestehen lassen. Lass dich in diesem Fall aber unbedingt als Fahrer eintragen, damit du auch damit versichert bist!

Bis Mitte zwanzig gehört man in der Regel noch zur Risikogruppe und muss erheblich mehr zahlen als 30-45-Jährige. Sich mit seinen Eltern zusammen zu setzen und es durchzurechnen, kann sich also lohnen – zumindest für die ersten paar Jahre. Und auf das Konto der Eltern eine Dauerüberweisung einzurichten ist irgendwie auch ein gutes Gefühl.

4. Berufsunfähigkeitsversicherung

Auch wenn im Internet viele Meinungen über die Sinnhaftigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung kursieren, der Konsens ist: wenn man eine bekommt, sollte man eine abschließen und das lieber früher als später. Manche schreiben, man sollte nur eine BU abschließen, wenn man von seinem Gehalt lebe. Wovon denn bitte sonst?, frage ich mich dann immer.

Hintergrund der Zweifel und negativen Kommentare ist der, dass die Versicherungen mittlerweile einen sehr strengen Gesundheitscheck machen, alles ganz genau wissen wollen und lange nicht jeden versichern – bzw. wenn dann für horrende Summen. Für uns junge Erwachsene ohne lange Krankheitsgeschichte besteht allerdings noch Hoffnung.

Je nach dem kosten Berufsunfähigkeitsversicherungen etwa 40 bis 60€ pro Monat und sind damit einer der größeren Posten bei dem Thema Vorsorge. Dafür greift sie auch bei psychologischen Erkrankungen wie Burn-Out oder bei Bandscheibenvorfällen, was beides immer häufigere Gründe sind, warum (auch junge Menschen) ihrer Tätigkeit nicht mehr nachgehen können.

Nach Schätzungen der Deutschen Rentenversicherung wird jeder 5te Deutsche vor der Rente berufsunfähig.

Lass dich erst einmal beraten, ob dich eine Versicherung nehmen würde und für welchen monatlichen Beitrag. Dann kannst du dir ja mal ausrechnen, ob es sich für dich lohnt, dich versichern zu lassen oder ob du die 50€ jeden Monat in einen Sparstrumpf steckst, um davon früher oder später zu leben.

Achtung, noch eine Info: Manchmal versucht eine Versicherung, dir zusätzlich eine Kapitallebensversicherung anzuschwatzen. Das brauchst du nicht.

Solltest du keine BU bekommen, sind hier ein paar Alternativen:

  • Erwerbsunfähigkeit
    + auch psychische Erkrankungen versichert
    –  zahlt nur Rente, wenn auch keine Umschulung etc. möglich ist
  • private Unfallversicherung
    + geringe Beiträge
    – zahlt nur bei dauerhaften Gesundheitsschäden nach Unfällen/ Krankheiten, was aber nicht die häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit sind
  • Multi-Risk-Versicherung
    + deckt mehrere Risiken ab, kann individuell abgestimmt werden, Rente bei Verlust grundlegender Fähigkeiten oder im Pflegefall
    – psychische Leiden und orthopädische Probleme nicht versichert, zahlen bei bestimmten Krankheiten nur einen Einmalbetrag als Entschädigung
  • Dread-Disease-Versicherung (auch: Schwere-Krankheiten-Versicherung)
    + einfache Prüfung des Anspruches
    – Einmalbetrag als Rente, zahlt nur bei schweren Krankheiten, keine psychischen Erkrankungen
  • Grundfähigkeitsversicherung
    + einfache Prüfung des Anspruchs, günstigere Beiträge als BU
    – Rente nur bei Verlust grundlegender Fähigkeiten (wie Arme & Beine benutzen)

5. Auslandskrankenversicherung / Reisekrankenversicherung

Ob nah, ob fern, ob Strandurlaub, Roadtrip oder Wintersport – wir lieben es zu verreisen! Und so schön es ist, andere Kulturen zu entdecken, so schnell muss man manchmal feststellen, dass die medizinische Versorgung in einigen Ländern häufig etwas dürftig ist.

Eine Auslandskrankenversicherung, die dich auch kostenfrei aus dem Ausland wieder nach Deutschland transportiert, ist also wirklich eine gute Investition. Die jährlichen Beiträge kosten dabei nicht mehr als zwei Pumpkin Spice Lattes – es sollte also wirklich für jeden drin sein.

Das ist zwar schon günstig aber mit etwas Recherche kann man noch bessere Schnäppchen machen. Beispielsweise gibt es die MasterCard X-TENSION für junge Leute bis 29 Jahre, bei der unter anderem eine komplette Auslandsreisekrankenversicherung inbegriffen sind. Für 15€ pro Jahr bekommt noch einige andere Vergünstigungen dazu und spart sich Abhebe-Gebühren.

Achtung: schaut genau auf die Bedingungen (Laufzeit der Versicherung!) und nach den Ländern, in die ihr in Zukunft reisen wollt. Für die USA und Australien sind oft gesonderte Versicherung nötig.

Die Optionalen

Je nach Lebenssituation können die folgenden Versicherungen für dich infrage kommen, gehören aber nicht zur Basis-Ausstattung. Hier kannst du deinen Versicherungsschutz auch nach und nach verbessern, sobald dein Nettoeinkommen steigt.

  1. Hausratsversicherung
    lohnt sich erst, wenn man teure Möbel hat
  2. Tierhalterhaftpflicht
    nötig für jeden Halter von Hunden oder Pferden
  3. Voll- / Teilkaskoversicherung / Autoschutzbrief
    lohnen sich nur bei teuren/ neuen Autos
  4. Rechtsschutz
    hilfreich im Ernstfall, ggf. haben die Eltern aber einen Familienrechtsschutz
  5. private Unfallversicherung
    deckt nur Unfälle ab
  6. Fahrraddiebstahl Versicherung
    lohnt sich bei neuen Fahrrädern
  7. Zusatzversicherungen zur KV
    gesetzliche Krankenversicherung upgraden mit verschiedenen Angeboten wie Zahnzusatz, Krankentagegeld, Heilpraktikerzusatz etc.
  8. Risiko- / Kapitallebensversicherung
    erst für Familien nützlich, bis dahin Geldverschwendung
  9. Reiserücktrittsversicherung
    für Spontane oder Krankheitsanfällige ganz ratsam

Die Zukünftigen und vollkommen Unnützen

  • Wohngebäude / Elementarschaden / Bauherrenhaftpflicht
    nur für Grundstücks- / Hausbesitzer, Schäden in der normalen Wohnung übernimmt die Privathaftpflicht- oder Hausratsversicherung
  • Private Rentenversicherung / Rieser-Rente / Rürüp-Rente
    früher oder später müssen wir anfangen, für’s Alter vorzusorgen, Berufsanfänger sollten sich aber noch nicht allzu früh finanziell verpflichten, denn Zahlungen müssen fortlaufend gezahlt werden – dann doch lieber nebenbei etwas auf einem Tagesgeldkonto ansparen (zum Thema Sparen & Invesieren komme ich in einem anderen Beitrag…)
  • Zusatzversicherungen für Gegenstände (z.B. Handy / Laptop etc.)
  • Krankenhauszusatz / Krankenhaustagegeld
  • Glasversicherung
  • Risikolebensversicherung
  • Sterbegeld
  • Diensthaftpflichtversicherung

Noch nicht gelangweilt genug? Dann lies hier weiter…

In dem nächsten Beitrag dieser kleinen Reihe möchte ich mich mit Investitionsmodellen und Sparplänen auseinander setzen. Du weißt nicht, woher du das Geld für die Versicherungen nehmen sollst? Lies hier meinen Beitrag über den Umgang mit Geld.

Welche Versicherungen jeweils die besten sind, kann ich gern in einem weiteren Artikel recherchieren. Solltest du also daran interessiert sein, hinterlasse mir unbedingt einen Kommentar.

Dann hoffe ich, du bist gut aufgestellt und das Ganze hat dich nicht allzu sehr überfordert. Ich für meinen Teil bin jetzt jedenfalls ziemlich froh, dass ich mir die Arbeit für mich (und für dich!) einmal gemacht habe und mir bei dem Gedanken als die Zukunft nicht sofort der Schweiß ausbricht. Also ganz entspannt 🙂

Ein schönes Wochenende wünsche ich dir.

 

Liebste Grüße
Laura

 

 

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